Raumakustik ist Vertrauenssache – und Vertrauen entsteht durch Nachweise. Wer in öffentlichen, gewerblichen oder industriellen Räumen akustische Maßnahmen plant, trägt Verantwortung für Brandschutz, Gesundheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Diese Seite ordnet die wichtigsten Normen und Zertifikate ein: was sie regeln, wann sie gelten und wie wir ihre Einhaltung belegen. Sicherheit, die sich nicht behaupten, sondern belegen lässt – das ist unser Anspruch.
Brandschutz: DIN 4102 und DIN EN 13501-1
Der Brandschutz entscheidet, ob ein Akustikprodukt in einem Raum überhaupt eingesetzt werden darf. In Deutschland klassifiziert die DIN 4102-1 das Brandverhalten von Baustoffen, europäisch ergänzt durch die DIN EN 13501-1.
| Klasse (DIN 4102-1) | Bedeutung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| A1 / A2 | nichtbrennbar | höchste Anforderungen, Flucht- und Rettungswege |
| B1 | schwerentflammbar | Standard für öffentliche & gewerbliche Räume |
| B2 | normalentflammbar | untergeordnete Bereiche |
| B3 | leichtentflammbar | im Ausbau in der Regel unzulässig |
Für die meisten Büros, Schulen und Versammlungsstätten ist mindestens B1 (schwerentflammbar) gefordert. Unsere Akustikelemente sind je nach Aufbau in B1 erhältlich; mineralische und metallische Systeme – etwa für Industriehallen – auch als nichtbrennbar (A1/A2). Welche Klasse Ihr Projekt braucht, klären wir vor der Auslegung.
Schadstofffreiheit: OEKO-TEX® STANDARD 100
Akustiklösungen verbauen großflächig Textilien und Schaumstoffe in Räumen, in denen Menschen täglich arbeiten und lernen. Der OEKO-TEX® STANDARD 100 ist ein unabhängiges Prüfsystem, das textile Materialien auf gesundheitlich bedenkliche Substanzen testet. Zertifizierte Bezugsstoffe sind schadstoffgeprüft – ein konkreter Beitrag zu gesunden Innenräumen, der über die reine Akustik hinausgeht.
Absorptionsleistung: αw und Absorberklassen nach ISO 11654
Wie gut ein Absorber wirkt, lässt sich messen und vergleichen. Der bewertete Schallabsorptionsgrad αw verdichtet die frequenzabhängige Absorption zu einer Kennzahl zwischen 0,00 und 1,00. Aus ihr bildet die DIN EN ISO 11654 die Absorberklassen A bis E:
| Absorberklasse | αw | Wirkung |
|---|---|---|
| A | 0,90 · 0,95 · 1,00 | höchste Absorption |
| B | 0,80 · 0,85 | sehr hohe Absorption |
| C | 0,60 · 0,65 · 0,70 · 0,75 | hohe Absorption |
| D | 0,30 – 0,55 | mittlere Absorption |
| E | 0,15 · 0,20 · 0,25 | geringe Absorption |
Die Klasse macht Produkte objektiv vergleichbar: Ein Breitbandabsorber der Klasse A schluckt deutlich mehr Schallenergie als ein dekoratives Element der Klasse D. Wir weisen die Absorptionswerte unserer Systeme über Prüfdaten aus – und wählen die Klasse passend zum Akustikziel Ihres Raums.
Hörsamkeit: DIN 18041
Die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen” ist die zentrale raumakustische Planungsnorm. Sie definiert je nach Nutzung und Raumvolumen die anzustrebende Nachhallzeit – etwa für Räume mit Kommunikations- und Unterrichtsanforderung (Sprachverständlichkeit) oder für Räume, in denen es vorrangig um Lärmminderung geht. Die Norm liefert damit den Soll-Wert, gegen den wir die per Akustikmessung ermittelte Ist-Nachhallzeit vergleichen. So wird aus „der Raum hallt” eine belegbare Aussage über Handlungsbedarf und Zielerreichung.
Arbeitsschutz: LärmVibrationsArbSchV & ASR A3.7
In Arbeitsumgebungen schützt der Gesetzgeber die Beschäftigten vor Lärm. Zwei Regelwerke sind maßgeblich:
- LärmVibrationsArbSchV: Auslösewerte für den Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h – 80 dB(A) (unterer) und 85 dB(A) (oberer). Ab dem unteren Wert sind Gehörschutz bereitzustellen und Unterweisungen anzubieten, ab dem oberen gelten Tragepflicht, Kennzeichnung des Lärmbereichs und ein Lärmminderungsprogramm.
- ASR A3.7 „Lärm”: konkretisiert die Arbeitsstättenverordnung. Sie nennt maximale Beurteilungspegel je nach Tätigkeit (etwa bis 55 dB(A) bei überwiegend geistigen Tätigkeiten, bis 70 dB(A) bei einfachen Bürotätigkeiten) und verweist für die Nachhallzeit auf die DIN 18041.
Raumakustische Maßnahmen – Absorber, Baffeln, Einhausungen – sind ein zentraler, oft unterschätzter Baustein des Lärmminderungsprogramms. Wir planen sie normgerecht und dokumentieren das Ergebnis. Vertiefung dazu: Schallschutz Industrie.
Immissionsschutz: TA Lärm
Sobald Geräusche nach außen dringen – etwa aus einer Produktion in die Nachbarschaft – greift die TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm). Sie legt Immissionsrichtwerte je nach Gebietstyp fest:
| Gebiet | tags dB(A) | nachts dB(A) |
|---|---|---|
| Industriegebiet | 70 | 70 |
| Gewerbegebiet | 65 | 50 |
| Kern-, Dorf- & Mischgebiet | 60 | 45 |
| Allgemeines Wohngebiet | 55 | 40 |
| Reines Wohngebiet | 50 | 35 |
Relevant wird die TA Lärm vor allem bei Maschineneinhausung und Lüftungstechnik – also dort, wo eine laute Quelle gegenüber der Umgebung abgeschirmt werden muss.
Normen sind kein Selbstzweck – sie sind Ihr Nachweis
Für Sie als Verantwortlichen bedeuten diese Normen vor allem eines: Planungssicherheit und einen belastbaren Nachweis. Wir beziehen die jeweils einschlägigen Vorgaben von Anfang an in die Auslegung ein, wählen Produkte mit den passenden Klassen und Zertifikaten und belegen das Ergebnis mit einer dokumentierten Kontrollmessung. Beratung, Messung, eigene Fertigung und Montage aus einer Hand – damit liegt die Verantwortung für die Normkonformität nicht verteilt auf mehrere Gewerke, sondern bei einem Partner.
Sie möchten wissen, welche Normen für Ihr Projekt gelten und wie Sie sie sicher erfüllen? Sprechen Sie uns an – wir ordnen die Anforderungen für Ihren Raum konkret ein.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Brandschutzklasse B1?
B1 nach DIN 4102-1 steht für „schwerentflammbar“. Baustoffe der Klasse A (A1/A2) sind nichtbrennbar, B1 ist schwerentflammbar, B2 normalentflammbar und B3 leichtentflammbar. Für öffentliche und gewerbliche Räume ist meist mindestens B1 gefordert. Europäisch entspricht das in etwa den Klassen B bis C nach DIN EN 13501-1. Unsere Akustikelemente sind je nach Aufbau B1 oder – bei mineralischen bzw. metallischen Systemen – auch nichtbrennbar (A1/A2) lieferbar.
Was sagt der Schallabsorptionsgrad αw und die Absorberklasse aus?
Der bewertete Schallabsorptionsgrad αw fasst die Absorptionsleistung über die Frequenz in einer Zahl zwischen 0,00 und 1,00 zusammen. Nach DIN EN ISO 11654 werden daraus die Absorberklassen A bis E gebildet: Klasse A (αw 0,90–1,00) absorbiert am stärksten. Diese Klasse macht die Leistung verschiedener Produkte vergleichbar – wir weisen sie über Prüfwerte aus.
Was regelt die DIN 18041?
Die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ legt fest, welche Nachhallzeit ein Raum je nach Nutzung und Volumen haben sollte – etwa für Unterricht, Kommunikation oder Lärmminderung. Sie ist der Maßstab, gegen den wir die gemessene Ist-Nachhallzeit vergleichen. Die Werte erfassen wir über eine Akustikmessung.
Ab welchem Lärmpegel greift die LärmVibrationsArbSchV?
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung nennt zwei Auslösewerte für den Tages-Lärmexpositionspegel: ab 80 dB(A) (unterer Auslösewert) sind Gehörschutz bereitzustellen und Unterweisungen anzubieten, ab 85 dB(A) (oberer Auslösewert) gelten Tragepflicht, Kennzeichnung des Lärmbereichs und ein Lärmminderungsprogramm. Raumakustische Maßnahmen sind ein zentraler Baustein dieses Programms.
Was ist OEKO-TEX® STANDARD 100?
Ein unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Produkte. Zertifizierte Textilien sind auf Schadstoffe geprüft und gesundheitlich unbedenklich. Für unsere textilbespannten Absorber ist das relevant, weil sie großflächig in Räumen verbaut werden, in denen Menschen sich dauerhaft aufhalten.