Wer Raumakustik objektiv beurteilen will, kommt an einer Größe nicht vorbei: der Nachhallzeit. Sie beschreibt, wie lange Schall im Raum „nachklingt”, und ist der wichtigste Kennwert dafür, ob ein Raum hallig und laut oder ruhig und sprachverständlich ist. Dieser Ratgeber erklärt, wie sie gemessen wird – und wie aus der Messung eine konkrete Lösung wird.
Was die Nachhallzeit aussagt
Die Nachhallzeit (Formelzeichen T) ist definiert als die Zeit, in der der Schallpegel nach dem Verstummen der Quelle um 60 Dezibel abfällt. Sie wird frequenzabhängig betrachtet, denn ein Raum verhält sich bei tiefen Frequenzen oft anders als bei hohen. Eine zu lange Nachhallzeit bedeutet: Silben und Geräusche überlagern sich, die Sprachverständlichkeit sinkt, der Pegel steigt.
Wie gemessen wird: DIN EN ISO 3382-2
Die normgerechte Messung erfolgt nach DIN EN ISO 3382-2. Zwei Verfahren sind üblich:
- Abgeschaltetes Rauschen (interrupted noise): Der Raum wird mit breitbandigem Rauschen angeregt; nach dem Abschalten wird der Pegelabfall aufgezeichnet.
- Integrierte Impulsantwort: Aus einem definierten Anregungssignal wird die Raumantwort berechnet.
Gemessen wird an mehreren Mikrofon- und Quellpositionen, um ein repräsentatives Mittel über den Raum zu erhalten. Aus den Messdaten ergibt sich die Nachhallzeit je Frequenzband.
T20 und T30: robust extrapoliert
In der Praxis lässt sich ein sauberer Abfall über volle 60 dB selten erreichen – der Störgeräuschpegel ist zu hoch. Deshalb wertet man kleinere Abschnitte aus und rechnet hoch: T20 aus einem Abfall von 20 dB, T30 aus 30 dB. Beide werden auf die volle Nachhallzeit extrapoliert. Das macht die Messung zuverlässig, auch wenn der Raum nicht völlig still ist.
Vom Messwert zur Lösung
Eine Zahl allein hilft nicht – ihren Wert bekommt die Nachhallzeit erst im Abgleich mit dem Ziel. Die DIN 18041 gibt vor, welche Nachhallzeit Ihr Raum je nach Nutzung und Volumen haben sollte. Liegt der gemessene Wert darüber, berechnen wir die fehlende Absorberfläche und legen die passenden Schallabsorber aus. Nach der Montage belegt eine Kontrollmessung die Verbesserung.
Diese Messung ist der technische Kern unserer Arbeit – mehr dazu auf der Seite Akustikmessung. Möchten Sie die Nachhallzeit Ihres Raums kennen? Wir messen sie vor Ort, normgerecht und nachvollziehbar – die erste Einschätzung ist kostenlos.
Häufige Fragen
Was ist die Nachhallzeit?
Die Nachhallzeit (Formelzeichen T) ist die Zeit, in der der Schallpegel nach dem Abschalten der Quelle um 60 Dezibel abfällt. Sie ist der wichtigste objektive Kennwert für die Hörsamkeit eines Raums und wird frequenzabhängig angegeben.
Nach welcher Norm wird gemessen?
Nach DIN EN ISO 3382-2 – der Norm für die Messung der Nachhallzeit in gewöhnlichen Räumen. Üblich sind die Verfahren mit abgeschaltetem Rauschen (interrupted noise) oder mit integrierter Impulsantwort. Bewertet werden meist T20 oder T30.
Was bedeuten T20 und T30?
Weil ein sauberer Abfall über volle 60 dB selten messbar ist, wird aus einem kleineren Bereich extrapoliert: T20 aus einem Abfall von 20 dB, T30 aus 30 dB – jeweils hochgerechnet auf die volle Nachhallzeit. Das macht die Messung robust gegen Störgeräusche.
Kann ich die Nachhallzeit selbst messen?
Grobe Apps geben einen Anhaltspunkt, aber keine belastbaren, frequenzaufgelösten Werte. Für eine normgerechte Auslegung nach DIN 18041 ist eine professionelle Akustikmessung mit kalibrierter Technik nötig – die führen wir bei Ihnen vor Ort durch.