Wer Akustikprodukte vergleicht, stößt schnell auf Werte wie αw 0,90 oder NRC 0,85. Diese Kennzahlen beschreiben den Schallabsorptionsgrad – das Maß dafür, wie viel Schall ein Material schluckt. Wer sie versteht, erkennt schnell, ob ein Absorber für seinen Zweck taugt, und lässt sich nicht von Marketingwerten blenden.
Was der Schallabsorptionsgrad α beschreibt
Trifft Schall auf eine Oberfläche, wird ein Teil reflektiert und ein Teil absorbiert. Der Schallabsorptionsgrad α gibt den absorbierten Anteil an – als Wert zwischen 0 und 1:
- α = 0: die Oberfläche reflektiert vollständig (z. B. glatter Beton, Glas).
- α = 1: die Oberfläche absorbiert vollständig, es wird nichts reflektiert.
Entscheidend ist: α ist frequenzabhängig. Der Messwert αs wird nach DIN EN ISO 354 im Hallraum über die Terzbänder bestimmt. Ein poröser Absorber schluckt hohe und mittlere Frequenzen meist sehr gut, tiefe Frequenzen dagegen nur, wenn er ausreichend dick ist oder mit Wandabstand montiert wird.
Der bewertete Schallabsorptionsgrad αw
Damit sich Produkte mit einer einzigen Zahl vergleichen lassen, fasst die DIN EN ISO 11654 die frequenzabhängigen Werte zum bewerteten Schallabsorptionsgrad αw zusammen. Dazu wird die gemessene Kurve mit einer Referenzkurve verglichen; das Ergebnis ist ein Einzahlwert zwischen 0 und 1 in Schritten von 0,05. Der αw ist praktisch – aber er verdeckt, in welchen Frequenzbereichen ein Absorber stark oder schwach ist. Für tieffrequente Probleme reicht ein hoher αw allein nicht.
Absorberklassen A bis E
Aus dem αw leitet die DIN EN ISO 11654 fünf Absorberklassen ab. Sie erlauben eine schnelle Einordnung:
- Klasse A: αw 0,90–1,00 – höchste Absorption
- Klasse B: αw 0,80–0,85
- Klasse C: αw 0,60–0,75
- Klasse D: αw 0,30–0,55
- Klasse E: αw 0,15–0,25
Werte unter 0,15 gelten als nicht klassifiziert. Unsere Breitband-Absorber und Schallabsorber erreichen in der Regel Klasse A.
NRC – die amerikanische Kennzahl
In internationalen Datenblättern taucht häufig der NRC (Noise Reduction Coefficient) auf. Er ist der Mittelwert der Absorptionsgrade bei 250, 500, 1.000 und 2.000 Hz, gerundet auf 0,05. Der NRC ist einfacher gebildet als der αw und berücksichtigt die tiefen Frequenzen unter 250 Hz nicht – ein wichtiger Unterschied, wenn es um Bassdröhnen geht.
Worauf es in der Praxis ankommt
Ein hoher αw ist ein gutes Zeichen, aber kein Freibrief. Entscheidend ist, dass der Absorber in dem Frequenzbereich wirkt, in dem Ihr Raum das Problem hat. Bei tieffrequentem Dröhnen helfen erst Bassfallen mit Wirkung im Bass. Welche Kennwerte Ihr Raum wirklich braucht, zeigt eine Akustikmessung: Wir erfassen die Nachhallzeit frequenzabhängig und legen die Absorber rechnerisch aus – statt nach einem einzelnen Katalogwert.
Beratung, Messung, eigene Fertigung und Montage kommen bei raumAKUSTIKS aus einer Hand. So bekommen Sie nicht den höchsten Datenblattwert, sondern die nachweislich passende Lösung für Ihren Raum.
Häufige Fragen
Was ist der Schallabsorptionsgrad?
Der Schallabsorptionsgrad α gibt an, welcher Anteil der auftreffenden Schallenergie nicht reflektiert, sondern absorbiert wird. Er liegt zwischen 0 (vollständige Reflexion) und 1 (vollständige Absorption) und ist frequenzabhängig – ein Material kann hohe Töne stark, tiefe Töne aber kaum schlucken.
Was bedeutet der bewertete Schallabsorptionsgrad αw?
Der αw ist ein Einzahlwert nach DIN EN ISO 11654. Er fasst die frequenzabhängigen Messwerte zu einer Kennzahl zwischen 0 und 1 (in Schritten von 0,05) zusammen, indem die Messkurve mit einer Referenzkurve verglichen wird. Der αw erleichtert den Vergleich, verdeckt aber das Verhalten in einzelnen Frequenzbändern.
Was sagen die Absorberklassen A bis E aus?
Die DIN EN ISO 11654 teilt Absorber nach ihrem αw in Klassen ein: Klasse A (0,90–1,00) absorbiert am stärksten, gefolgt von B (0,80–0,85), C (0,60–0,75), D (0,30–0,55) und E (0,15–0,25). Werte darunter gelten als nicht klassifiziert.
Worin unterscheidet sich der NRC vom αw?
Der NRC (Noise Reduction Coefficient) ist die US-amerikanische Entsprechung. Er ist der Mittelwert der Absorptionsgrade bei 250, 500, 1.000 und 2.000 Hz, gerundet auf 0,05. αw und NRC liegen oft nahe beieinander, sind aber unterschiedlich definiert – beim Vergleich von Datenblättern lohnt der Blick, welche Kennzahl angegeben ist.